Presseerklärung

Vom 22. bis 26. Juli 2001 findet an der Universität Potsdam die 6. internationale Konferenz über experimentelle Ergebnisse zur Chaostheorie statt. War die Chaostheorie anfang der 80er Jahre von rein theoretischen Arbeiten dominiert, so spiegeln die Themen der Konferenz ein breites Anwendungsspektrum wider. Bei der Konferenz werden 150 Wissenschaftler aus mehr als 24 Ländern zusammenkommen, um ihre neuesten Forschungsergebnisse auszutauschen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Anwendungen der Chaostheorie in der Natur. Die überraschende Vielfalt der Gebiete, in die heute die Physik komplexer Systeme vordringt, sei an drei Beispielen verdeutlicht:

So wird Prof. Ben Jacob, Tel Aviv, demonstrieren, dass sogar einfache Organismen wie z.B. Bakterien ganz neue Überlebensstrategien entwickeln können, wenn sie sich in Kolonien zusammenschließen. Dies erlaubt ihnen, sich effektiv an veränderte Situationen anzupassen, indem sie neuartige Verhaltensweisen lernen. Solche theoretischen Erkenntnisse können eine entscheidende Rolle beim Kampf gegen die Antibiotika-Resistenz von Bakterienstämmen spielen.

Prof. Helbing, Dresden, wird auf Fragen zur Dynamik des Straßenverkehrs eingehen. Warum werden Autofahrer oft von ``Staus aus dem Nichts'' zum Anhalten gezwungen, obwohl jeder schnell vorankommen möchte? Wieso entstehen die meisten Staus, bevor die Straßenkapazität erreicht ist? Können Geschwindigkeitsbegrenzungen den Verkehr beschleunigen? Weshalb organisieren sich entgegengesetzt laufende Fußgänger in Bahnen, und wieso produzieren Fußgänger in Paniksituationen gefährliche Blockadezustände? Das alles sind Pänomene, die man dank neuer theoretischer Konzepte besser verstehen und somit zielgerichtet beeinflussen kann.

Prof. Stone, Tel Aviv, wird zeigen, dass Synchroniserungsphänomene typisch für ökologische Systeme sind, z.B. beim Brutverhalten von Vögeln. Er wird diskutieren, wie ein solches Verhalten in der Evolution entstehen konnte. Insbesondere wird dargelegt, welche Konsequenzen Synchronisierung haben kann und wie dadurch das Aussterben von Arten maßgeblich bestimmt sein kann.

Darüber hinaus sind spannende Diskussionen zur Synchronisation, raum-zeitlichen Strukturbildung und anderen Phänomenen nichtlinearer Wechselwirkungen zu erwarten über Probleme der Laserphysik, der Neurowissenschaften, der Kardiologie, der Elektronik, der kondensierten Materie, der Hydrodynamik, der kosmischen Dynamos, der Geophysik sowie der Astrophysik.

Details zur Konferenz, die zum größten Teil vom Office of Naval Research (Arlington, Virginia) gesponsert wird, sind im Internet unter http://www.agnld.uni-potsdam.de/~shw/Workshop/04_ECC6/index.html zu finden.



Wed Jul 11 12:04:46 MET DST 2001