Inoffizieller Berichte

Inoffizieller Bericht aus der Guten Alten Zeit

Siehe Harald Fritzsch: Flucht aus Leipzig, 1990, erweiterte Neuauflage 2004


Aus den bisherigen Berichten und Informationen der Inoffiziellen Mitarbeiter "Peter Krüger", "Frank Kri(z)eb" (bezirK) und der Kontaktperson "Weber" geht hervor, daß Schwarz, Udo sich sehr für ideologische und vor allem kulturpolitische Probleme interessiert ...
Bei Diskussionen mit Studenten über Stefan Heym äußerte er u.a. sein Unverständnis über die Kritik an den Schriftstellern Heym, Schneider und Kunert. Er stehe voll hinter den Anschauungen dieser Schriftsteller.
Schwarz, Udo empfängt an Sonntagen, wenn die anderen Studenten seines Zimmers nicht anwesend sind, regelmäßig Sendungen vom SFB oder RIAS, die sich mit dem kulturellen Leben in der DDR befassen. Teilweise schneidet er diese Sendungen auf Tonband mit bzw. macht schriftliche Aufzeichnungen. Über diese Probleme spricht er dann auch mit anderen Studenten (Information stammt von "Peter Krüger").
Vor den Wahlen am 20.5.1979 äußerte Schwarz die Meinung, daß bei uns nur systemkonforme Menschen erzogen werden.
Seiner Auffassung nach darf man speziell an der Sektion Mathematik/Physik nicht frei seine Meinung äußern, da man Konsequenzen befürchten muß. Aus diesen Gründen wollte er eigentlich nicht zur Wahl gehen, ist aber dann doch gegangen, weil er `sonst sein Studium als beendet betrachten kann.'
Offiziell tritt Schwarz, Udo in Diskussionen positiv in Erscheinung. Er ist Mitglied der Sektionsleitung der FDJ und dort für die wissenschaftliche Arbeit verantwortlich ...
Zur politischen Entwicklung des Schwarz, Udo ist festzuhalten, daß er bis zur Ablegung des Abiturs in offiziellen Beurteilungen als gesellschaftlich und politisch inaktiv eingeschätzt wurde ...
Zu berücksichtigen dabei ist, daß er sich zuerst um ein Studium an der TU Dresden bewarb und dort die Ablehnung u.a. wegen seiner gesellschaftlichen Inaktivität erfolgte.
Schwarz, Udo wurde im Mai 1979 angesprochen, ob er Kandidat der SED werden möchte. Er lehnte ab mit der Begründung, daß er teilweise andere Ansichten vertritt (Siehe: Stasi-Akte 337/85, Seite 29 f.).

Stasi-Akte 337/85, Seite 1F: "Mit dem IM-Vorlauf wurde am 3.7.1984 das Werbungsgespräch durchgeführt. Im Verlauf des Gesprächs lehnte der IM-Vorlauf die inoffizielle Zusammenarbeit mit dem M(inisterium) f(ür) S(taatssicherheit) ab. Er begründete seine Ablehnung mit seinem angeblichen Unvermögen, schweigen zu können. Die zum IM-Vorlauf bekanntgewordenen operativen Hinweise machen es erforderlich, den IM-Vorlauf zu archivieren und Schwarz unter operative Personenkontrolle (Stasi-Akte 266/85 oder 1388/88 für den Zeitraum 20. Februar 1985 bis 17. Juni 1988) zu stellen."
IM-Bericht von ``Ellen'' (=I.F.) vom 11.9.1984
ueber Albert (=Udo Schwarz)

Es ist der IM nicht bekannt, dass Albert im Grenzgebiet verhaftet worden war.
...
Er sollte fuer seine Taetigkeit als FDJ-Sekretaer ausgezeichnet werden.
Die IM sprach sich zusammen mit Dr. C. dagegen aus, weil ihm damit bescheinigt worden
waere, als FDJ-Sekretaer der Sektion (Mathematik-Physik) sich bewaehrt zu haben.
Damit waere eine Voraussetzung erfuellt gewesen, ihn in ein unbefristetes
(Arbeits)-Verhaeltnis zu uebernehmen.
Nach Ansicht der IM sollte man davon Abstand nehmen!
Albert musste vor der APL (=Abteilungsparteileitung) der Sektion (Mathematik-Physik)
einen Bericht ueber die FDJ-Initiative und zu politisch-ideologischen Problemen geben.
Er beschraenkte sich auf rein organisatorische Probleme,  politisch-ideologische
konnte er nicht anfuehren. Nach Meinung der IM spricht das auch wieder fuer politische
Unreife seinerseits.

                Juergen

Detaillierte Informationen geben Peter Krüger (IMS), Frank Kir(z)eb (IMS), Frank Zoschke (IMS), Jochen (IMS), Weber (KP), Klaus Lange, Ellen, Querulant, Michael Jonus (IMS).


Udo Schwarz, Email: Udo.Schwarz@Uni-Potsdam.de, Tel. (0331) 977-1658