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From mitarbeiter-list@hp.rz.uni-potsdam.de Tue May 14 14:31:55 2002
From: "Rico Janke" rjanke@rz.uni-potsdam.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Anlage uebersende ich Ihnen den Appell der Brandenburgischen
Landesrektorenkonferenz und des Landeshochschulrates zur Informations- und
Literaturversorgung der Hochschulen des  Landes Brandenburg ab 2003. Dieser
Appell richtete sich an die Landesregierung - und ist auch den Abgeordneten
des Landtags uebermittelt worden - mit dem Ziel, auf die abzusehende
prekaere Situation sowie auf die Notwendigkeit hinzuweisen, rasche Abhilfe
zu schaffen.

In einer Beratung mit den Fachschaften der Studierenden am 8. Mai 2002 ist
von diesen der  Wunsch geaeussert worden, dass der Appell in der
Universitaet auch in den Lehrveranstaltungen  bekannt gemacht wird, um die
Lehrenden und Studierenden fuer die Situation zu  sensibilisieren. Ich bitte
Sie dabei herzlich um Ihre Mitwirkung.

Darueber hinaus waere es sehr hilfreich, wenn auch Sie Ihrerseits Ihre
Kontakte zur Landespolitik nutzten, um die schwierige Situation der
Hochschulen deutlich zu machen.

Mit den besten Gruessen

Professor Dr. Wolfgang Loschelder
________________

Appell der BLRK und des LHR
zur Informations- und Literaturversorgung der Hochschulen
des Landes Brandenburg ab 2003

Die Brandenburgische Landesrektorenkonferenz (BLRK) und der
Landeshochschulrat (LHR) fordern die Landesregierung Brandenburg auf,
unverzueglich die notwendigen Entscheidungen  herbeizufuehren, um den
laufenden Erwerb neu erscheinender Monographien und Zeitschriften fuer
Forschende, Lehrende und Studierende der Hochschulen Brandenburgs sowie den
Zugang und die  Nutzung elektronischer Medien (Datenbanken, elektronische
Zeitschriften, Volltextarchive  etc.) sicherzustellen. Fuer einen
sachgerechten finanziellen Ausgleich der ab 2003 wegfallenden
HBFG-Foerderung werden zur Beschaffung von Forschungs- und Studienliteratur
jaehrliche Mittel in Hoehe von 2,5 Mio. Euro benoetigt. Dieser Betrag
entspricht dem bisherigen  Landesanteil der HBFG-Foerderung und stellt
insofern keine zusaetzliche Belastung gegenueber dem Haushalt 2002 dar.

Begruendung:

Alle Hochschulen Brandenburgs erhielten mit einer auf 12 Jahre befristeten
HBFG-Foerderung   zusaetzlich zum regulaeren Erwerbungsetat im Rahmen der
Sachmittelausstattung der Hochschulen   bundes- und landesseitige Mittel
fuer den Aufbau von Buechergrundbestaenden. Damit sollten  rueckwirkende
Beschaffungsmassnahmen ermoeglicht und das Fundament eines fuer Forschung,
Lehre  und Studium unabdingbaren Literaturbestandes gelegt werden. Die
Basisversorgung mit  aktuellen Literatur- und Informationsressourcen sollte
hingegen durch den regulaer vom Land  zur Verfuegung gestellten Etatansatz
getragen werden.

Fuer die im Aufbau befindlichen Hochschulen in Brandenburg wurden  die
Etatansaetze fuer die  aktuelle Informations- und Literaturversorgung 
verglichen mit aehnlich grossen  Fachhochschulen und Universitaeten anderer
Bundeslaender  nie bedarfsgerecht veranschlagt.  Fuer die Universitaet
Potsdam stand z.B. regulaer seit 1991 ein jaehrliches Mittelvolumen von
etwa 500.000,- Euro zur Verfuegung, waehrend vom Faecherspektrum und den
Studentenzahlen her  vergleichbare Universitaeten ueber Etatansaetze in
Hoehe von 1,6 Mio. Euro und mehr verfuegen. Die  FH Brandenburg hat seit
1991 einen jaehrlichen Mittelansatz von 35.000 Euro, waehrend z.B. der
Mittelansatz der niedersaechsischen Fachhochschulen bei ca. 160.000 Euro
liegt. Die Hochschulen  waren daher gezwungen, die fuer den Aufbau von
Grundbestaenden zur Verfuegung gestellten  HBFG-Mittel auch fuer die
Beschaffung von Neuerscheinungen (Monographien, Zeitschriften,
elektronische Medien) einzusetzen.

Mit Auslaufen des Bundesfoerderungsprogramms ab 2003 wuerden die
verfuegbaren Erwerbungsmittel  auf ungefaehr 25 Prozent des bisherigen
Volumens abstuerzen. Fuer die Universitaet Potsdam haette  dies zur Folge,
dass fuer Lehre und Studium pro Student im guenstigsten Fall nur noch 10
Euro zur  Verfuegung staenden, waehrend ein Lehrbuch, je nach Fach, ca. 50
Euro kostet. Fuer alle Mitarbeiter  einer Professur koennten maximal 1.500
Euro zur Beschaffung von Forschungsliteratur  bereitgestellt werden, also
ca. 25-30 Buecher oder zwei bis drei Abonnements von  Fachzeitschriften. Und
innovative Ressourcenangebote (Datenbanken und elektronischen
Zeitschriften) muessten auf ein Viertel des bisherigen Umfangs reduziert
werden. In der  Fachhochschule Brandenburg staenden pro Student 5 Euro und
pro Professur 178,50 Euro zur Verfuegung.

An den anderen brandenburgischen Hochschulen sind die Auswirkungen auf
Forschung, Lehre und  Studium aehnlich katastrophal.

Sollten keine Mittel und Wege gefunden werden, das Defizit auszugleichen,
besteht die  Gefahr, dass
-	die Attraktivitaet der brandenburgischen Hochschulen erheblich gemindert
wird, sich  die Studienzeiten verlaengern und Forschende und Lehrende
abwandern,
-	die seit 12 Jahren aufgewandten Investitionen in den Literatur- und
Medienbestand  der Hochschulen des Landes irreparabel entwertet werden,
-	die seit 1998 angelaufenen Massnahmen zur Innovation des
Informationsangebots  (E-Journals, Datenbanken etc.) weitgehend in Frage
gestellt werden,
-	die Hochschulen des Landes Brandenburg und ihre Bibliotheken nicht mehr
kooperationsfaehig sind.

Das Auslaufen der HBFG-Foerderung betrifft alle neuen Bundeslaender. Die
Bundeslaender Sachsen,  Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben
jedoch den regulaeren Etatansatz im Umfang  des bisher landesseitigen
Anteils der HBFG-Foerderung erhoeht. Die brandenburgischen  Hochschulen
erwarten, dass ihre Mittel fuer die Literatur- und Informationsbeschaffung
ebenso  angehoben werden.


Potsdam, den 22.04.2002