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Prof. Dr. Ernst Peter Fischer, Universitaet Konstanz

Titel: ``Auf der Nachtseite der Wissenschaft -
 Die philosophischen Ansichten des Physikers Wolfgang Pauli (1901-1958)''

Zeit:    15. November 2006, 17.15 Uhr
Ort:     Haus 27 in Golm, Hoersaal 0.01, Universitaet Potsdam, Komplex II in Golm

Kurzfassung:

Alle Philosophie basiert - spaetestens seit der Aufklaerung - auf dem 
Glaubenssatz, dass nicht nur alles Denken rational ist, sondern dass 
es dessen Voraussetzungen ebenso sind. Immanuel Kant entdeckt 
Rationalitaet sogar vor aller wirkenden Verstandeskraft. Seit seinen 
Tagen zieht sich die westliche Wissenschaft in die sterile und 
seelenlose Kammer des Rationalismus zurueck, die leider dadurch 
nicht ertraeglicher wird, dass man ihr das Beiwort ``kritisch'' 
voranstellt. Die allgemeine Unzufriedenheit mit diesem Zustand 
drueckt sich unter anderem in vielen dunklen und mystisch verklaerten 
Bemuehungen um Erkenntnis aus, die oft nur durch ihre Banalitaet 
auffallen und den traditionellen Bemuehungen der Wissenschaft kaum 
das Wasser reichen koennen. Wissenschaft kommt weder rein rational 
noch meditativ mystisch voran. Wer verstehen will, was sich in der 
Welt des Wissens wissenschaftlich ereignet, muss eine sorgfaeltig 
balancierte Passage finden, die zwischen der Skylla des trockenen 
Rationalismus und der Charybdis des schwaermenden Mystizismus 
hindurchfuehrt. Nur wenn auch irrationale Quellen wie Traeume und 
Visionen akzeptiert werden, denen ein logisch-rationales Vorgehen 
zu folgen hat, kann die Durchfahrt gelingen. Wir haben sie uebrigens 
laengst geschafft. Der Weg, den wir suchen, liegt bereits hinter uns. 
Die erlebte Geschichte der Wissenschaft - nicht ihre rationale 
Karikatur - ist dieser Weg. Die grossen Forscher und Forscherinnen 
sind nie einen anderen gegangen, und Wolfgang Pauli hatte den Mut, 
dies anzuerkennen. 
	

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