From: meier@iei.tu-clausthal.de (Uwe Meier) Newsgroups: de.alt.eisenbahn Subject: Re: Vor 30 Jahren ... Date: 11 Dec 1996 08:20:59 GMT Organization: IEI, TU Clausthal dicom256@aol.com wrote: : Und jetzt stell sich mal jemand vor, diese Aktivitäten hätten nicht in : Bruchhausen-Vilsen stattgefunden, sondern auf der '66 stillgelegten : Kreisbahn Osterode (Harz) - Kreiensen. Was wäre das für eine geniale : Museumsbahn geworden! Über 30 km lang, 750 mm breit, an beiden Endpunkten : Anschluß an DB (einmal Hauptstrecke), mehrere Viadukte, ein Tunnel, starke : Steigungen, abwechslungsreiche Landschaft... Endlich einmal ein Beitrag, der mir als Westerhöfer aus der Seele spricht (der Bf Westerhof befand sich bei Streckenkilometer 15,9 der 32,1 km langen Strecke). Zu den technischen Daten: Betrieb von 1901 - 1967 Spurweite 750 mm (1938 wurde der Abschnitt Kreiensen - Kalefeld um eine dritte Schiene zum Betrieb mit Normalspur erweitert, da ein erhöhter Bedarf von Eisenerz erwartet wurde .... ) Länge 32,1 km (6,5 km Reststrecke Kreiensen - Kalefeld sind noch heute in Betrieb (Normalspur) ) Tunnel : Länge 467 m, geeignet für den Betrieb mit Normalspur (Güterzüge mit Rollböcken) Viadukte : Spannweiten 120 m , 80 m, 60 m (Kalksteinmauerwerk) größte Steigung 1 : 40 (Personenzüge mit 4-5 Wagen wurden mit einer Lok (Henschel Cn2t war die Standardlok der Kreisbahn Osterode) gefahren. Der ca. 3,5 km lange Anstieg von Westerhof bis zum Tunnel verlangte Lok und Heizer vollen Einsatz ab) Die Stillegung der Strecke war neben wirtschaftlichen Gründen auch auf den desolaten Zustand des Oberbaus zurückzuführen. Zuletzt wurde ständig Werkzeug mitgenommen, um entgleiste Wagen wieder auf die Schienen zu befördern, ohne zu viel Zeit zu verlieren). Für die Weiterführung des Betriebes als Museumsbahn wären daher erhebliche Investitionen nötig gewesen. Tatsächlich fand sich niemand, der auch nur die Haftung für eine Lok auf einem Denkmalssockel übernehmen wollte. Daher wurden auch die Viadukte abgetragen. Der Tunnel dient als Wohnraum für Fledermäuse. Ich selbst habe ihn zuletzt 1992 betreten. Er ist nach wie vor mein bevorzugtes Ziel für Wanderungen. mfg Uwe