Merseburg - Leipzig-Leutzsch

Eingleisige Nebenbahn. 28 km

Stationen: Merseburg, Leuna, ehemalige Ladestelle Trebnitz, Wallendorf (b Merseburg), Zöschen, Kötschlitz, Dölzig, Böhlitz-Ehrenberg, Leipzig-Leutzsch

Erste Projekte für eine solche Verbindung datieren bis 1896 zurück, 1899 beabsichtigte man den Bau einer Eisenbahn Leipzig - Merseburg - Mücheln - Querfurt - Sangerhausen (*). Erst nach einer Petition von 1904 fand 1906 wenigstens Merseburg - Leutzsch positive Aufnahme, aber 1910 wurde nur die Verbindung Merseburg - Zöschen genehmigt. Der Bau begann 1915 und kam 1917 zum Erliegen. Seit 1919 fand Personen- und seit 1928 Güterverkehr zwischen Merseburg und Leuna statt. 1927/28 wurde die Strecke schließlich bis Zöschen fertiggestellt, der Lückenschluß bis Leutzsch erfolgte erst 1931. /1/ Der Streckenzustand ist recht gut und läßt für eine Nebenbahn ein recht flottes Tempo zu.

Anfang 1998 wurde von sächsicher Seite erwogen, den Personenverkehr einzustellen. Sachsen-Anhalt beabsichtigte dessen Weiterführung, jedoch will der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (NASA) nun doch keine Leistungen auf sächsichem Gebiet bezahlen. Betrieb auf der sachsen-anhaltinischen Teilstrecke allein erscheint nicht sinnvoll. Damit ist die kürzeste Bahnverbindung zwischen Messestadt und Domstadt zum Fahrplanwechsel am 23. Mai 1998 außer Betrieb gegangen, obwohl sie noch im Kursbuch 1998/99 verzeichnet ist. Die Trasse soll erhalten bleiben. Statt der Züge verkehren Busse Merseburg - Günthersdorf und Günthersdorf - Leipzig mit Durchbindung einzelner Fahrten. /2/

Genannt der ,,Auenschreck'', zweigt diese Strecke südlich des Güterbahnhofs in Merseburg von der Hauptbahn Halle - Weißenfels ab und führt gleich darauf an den Leuna-Werken vorbei. Früher pflegte der Schaffner dort durch den Zug zu gehen und die Fenster zu schließen ... Die Gleise der Leuna-Werkbahn im Bf Leuna, auf denen man Ende der 80er Jahre noch Dampfloks (Werkloks der Leuna-Werke, ehemals BR 44 der DR, z. T. mit Kohlenstaubfeuerung) beobachten konnte, sind inzwischen abgebaut. Sie stellten die Verbindung zwischen Geiseltal, Leuna-Werken, Tagebau Merseburg-Ost und Deponie Lochau her.

Nach Leuna wird die Saale auf einer stählernen Fachwerkbrücke überquert. Diese war Ende des 2. Weltkriegs zerstört worden, bis zum Wiederaufbau 1946/47 verkehrten die Züge nur zwischen Merseburg und Leuna sowie zwischen einer provisorischen Betriebsstelle in der Nähe der Brückenbaustelle und Leipzig. Wo dieses Provisorium genau lag, habe ich noch nicht erfahren koennen. Bei km 6,5 erkennt man noch am verbreiterten Bahndamm und der Auffahrt, daß sich dort die ehemalige Ladestelle Trebnitz /1/ befand. Diese muß aber schon lange außer Betrieb sein, denn eine Schaffnerin, die immerhin über 30 Jahre auf dieser Strecke fuhr, konnte damit jedenfalls schon nichts mehr anfangen. Kurz danach überquert die Strecke auf einer Brücke eine Straße.

Vom Abzweig Lw bei km 8 geht eine reine Güterzugstrecke nach Ammendorf ab, über die auch der Tagebau Merseburg-Ost (jetzt aufgegeben) und die Deponie Lochau bedient wurden. Bis auf die Haltepunkte Kötschlitz und Böhlitz-Ehrenberg waren alle Zwischenstationen bis vor kurzem ,,richtige'' Bahnhöfe mit langen Bahnsteigen und Ortsgüteranlagen (in Dölzig waren letztere bereits 1983 nicht mehr vorhanden). Einmal gelang es in Zöschen, einen ,,Haushalt'' aus 14 Bghw am Bahnsteig unterzubringen, so daß die planmäßige Zugkreuzung stattfinden konnte. Auch Kötschlitz muß einmal ein zweites Gleis gehabt haben, also mindestens Haltestelle gewesen sein.

Das ist aber alles seit einigen Monaten nur noch Geschichte: Wallendorf ist nur noch Haltepunkt, das Bahnhofsgebäde ist zugemauert, Zöschen ist zur Haltestelle zurückgebaut worden (das Ladegleis liegt noch und wird noch benutzt), auch Dölzig ist des zweiten Gleises beraubt und ebenfalls Haltepunkt geworden. Auch das Empfangsgebäude von Böhlitz-Ehrenberg ist vermauert. Kurios wirken in Kötschlitz die Schilder ,,Richtung Halle'' und ,,Richtung Leipzig'' am Stationsgebäude - es gab schon lange keine durchgehenden Züge mehr nach Halle und seit Anfang der 90er auch keine nach Leipzig Hbf. Auch der Bau des ,,Saalepark'' an der Autobahnanschlußstelle zwischen Merseburg und Leipzig brachte der nahegelegenen Strecke keinen neuen Aufschwung - man hat keinen Gleisanschluß dorthin eingerichtet. Gelegentlich gab es aber doch Sonderzüge:

From: Uwe Metzner 
Newsgroups: de.etc.bahn.eisenbahn
Subject: Re: Streckenkahlschlag in Sachsen
Date: 3 Oct 1997 11:17:51 GMT

Martin Kopetschke  wrote:

;; Ich glaube 1993 und 1994 gab es an den Adventswochenenden Sonderzüge
;; Leipzig Hbf-Kötzschlitz(?) mit Busanschluß zum Saalepark.

Das Jahr weiß ich auch nicht mehr genau, kann aber noch mal nachsehen,
da ich die Fahrkarte (es gab einen Sondertarif!) noch haben müßte.
Gefahren wurde ein Stundentakt (!) Halle-Merseburg-Leipzig und zurück mit
Kreuzungen auf den Hauptbahnabschnitten und in Zöschen oder Leuna sowie
Buspendel Kötschlitz <-> Saalepark. Das erste Mal (außer vor Umleiterzügen
Halberstadt-Halle-Leipzig während Bauarbeiten zwischen L.E. und Halle)
232 auf dem Auenschreck gesehen. Und die Züge waren wirklich voll!
In den Achtzigern war die Strecke ein Refugium der alten Leipziger S-Bahn-Wagen mit Mitteleinstieg, die sogar noch in der blau-gelben Lackierung verkehrten. Zwei bis vier dieser Wagen wurden von einer Diesellok der BR 110 oder 112 gezogen. Außerdem rollten Reko-Dreiachser (Bag, Dag) und später -Vierachser (Bghw) hinter Loks der BR 118 und 132 auf den Gleisen, und gelegentlich fand sich auch ein umgeleiteter Schnellzug auf dieser Strecke wieder. Lange Zeit wurden der Frühzug aus Leipzig und der Nachmittagszug nach Leipzig ,,gedoppelt'', das heißt, in etwa einer Viertelstunde Abstand verkehrten zwei Züge in die gleiche Richtung, einer davon nach/von Buna Werke unter Auslassung einiger Zwischenhalte. Zugkreuzungen fanden in Wallendorf, Zöschen und Dölzig statt. Ende der Achtziger (nicht immer) und Anfang der Neunziger (1990 - 1992 vorwiegend) verkehrten Loks der nunmehrigen BR 202 mit zwei Doppelstockwagen (DBmu), wohl auch aus ehemaligen S-Bahn-Beständen, im Sommer 1997 mit zwei Abteilwagen (Bom oder ABom), und im Dezember 1997 bestand das Züglein nur noch aus der Lok und einem Bom ... Tja, und nun darf man sich in den Bus zum Saalepark zwaengen :-(.

Quellen:
/1/ Joachim Krause: Bahnknoten Merseburg. 150 Jahre Eisenbahngeschichte (Wolfgang Herdam Fotoverlag 1997)
/2/ Bahn-Report 4/98
sowie eigene Anschauung

(*) Diese Verbindung existiert(e?) übrigens als Buslinie K-743 über Bad Dürrenberg mit Umsteigen in Merseburg.

Neu:

Von Ralf-Uwe Ebert erhielt ich am 16.4.1999 einige Fotos aus den letzten Betriebstagen der Strecke (vielen Dank!):

Bild 1 entstand am Donnerstag, dem 21.5.98 bei Zöschen und zeigt die RB Merseburg ab 16.10 nach Leutzsch. Bild 2 und Bild 3 zeigen den gleichen Zug am letzten Betriebstag, Sonnabend, dem 23.5.98, in Merseburg. Bild 4, Bild 5 und Bild 6 entstanden beim Wenden in Leutzsch und Bild 7 gegen 17.50 Uhr wieder in Merseburg. Auf Gleis 2 stand die RB nach Halle-Neustadt mit der letzten Planfahrt der BR 109. Der Tf der 202 hielt extra noch mal in Fotoposition an.

Mehr Bilder findet man auch auf Daniel Bergs Galerie ""Leipzig-Leutzsch - Merseburg (KBS 584)".


Streckenberichte


Jan-Martin Hertzsch
06. 07. 1998