Der Bahnhof Krzewina Zgrozelecka

Matthias K. Reuss (reuss@osf1.mpae.gwdg.de) fragte:
>Wie "funktioniert" der Bahnhof Krzewina Zgorzelecka eigentlich?
>Ich meine mich zu erinnern, daß in den DR- bzw. DB-Fahrplantabellen etwas von
>"Nur für Reisende von/nach Deutschland" steht.
>Sind dort deutscher und polnischer Teil irgendwie getrennt?
>Zäune, Mauern (ich erinnere mich gerade an den Grenzbahnhof Gerstungen...)?
>Oder halten die polnischen Züge nicht in Krzewina?

Nach Jan-Martin Hertzsch (mit Korrekturen von Kai Ludwig) (Stand 1998):
Der Bahnhof untersteht den Polnischen Staatsbahnen. Polnische Züge halten dort natürlich auch. Allerdings fahren auf der Strecke Zawidow - Bogatynia nur zwei oder drei Zugpaare. Die Bahnhofsteile sind nicht getrennt, es gibt zwei Bahnsteiggleise (Haus- und Inselbahnsteig) und noch ein Kreuzungs- und Überholungsgleis (vor allem für Güterzüge), aber meistens (immer?) wird der Hausbahnsteig benutzt - von polnischen wie deutschen Zügen. (Kai Ludwig schrieb: Bei meiner Streckenkundefahrt wurde der Zug ins Hauptgleis genommen - in das mit dem Inselbahnsteig also. Wozu auch Weichen stemmen, wenn keine Kreuzung ansteht.) Kein Zaun, keine Mauer. Wie gesagt, der Bahnhof liegt ganz in Polen.
(Kai Ludwig: Dafür entsinne ich mich an finster dreinblickende Gestalten mit Kalaschnikow, zu Zeiten, als die Freundschaft nicht ganz so brüderlich war (um 1984; da fuhren einige Reisezüge dort noch mit BR 52).)
Und wenn da nicht zufällig Züge zweier Bahnverwaltungen halten würden, wär's ein ganz normaler kleiner Zwischenbahnhof und ganz unspektakulär. Die Strecken trennen sich jeweils in Trzciniec (südlich) und Reczyn (nördlich von Krzewina) (beide keine Reisezughalte).
(Kai Ludwig: Trzciniec ist eine reine Abzweigstelle, also eine Weiche, drei Signale und ein kleiner Schuppen als Befehlsstellwerk, sonst nichts. Reczyn ist für Zugfahrten von Krzewina nach Hagenwerder ebenfalls nur Abzw, in Richtung Zawidow gibt's noch ein Kreuzungsgleis.)
Zugkreuzungen finden dort normalerweise nicht statt. Für die wenigen polnischen Züge reicht eine Garnitur, die deutschen Züge kreuzten im vorigen Fahrplan in Hirschfelde (hab' grade kein aktuelles Kursbuch hier). Die Abfertigung eines deutschen Zuges geht so vor sich, dass der DB-Zub die grüne Lampe/Scheibe erst mal der polnischen Bahnhofsaufsicht zeigt, erst nach deren zustimmender Gebärde bekommt der DB-Tf Grün zu sehen, und es geht weiter. Die Wartehalle für die von deutscher Seite kommenden Reisenden befindet sich übrigens auf dem linken Ufer der Neiße bei der Grenzerbude.

Kai-Uwe Thiessenhusen fügte dem hinzu:
Im Kursbuch 93/94 (Schreibung wie im Original) stand: "Krzewina Zgorzel: Ein- und Ausstieg nur für Reisende nach Ostritz (BRD)". Davor und heute stand/steht nur noch "Bahnhof der Polnischen Staatsbahn". Es gibt da auch einen Fussgängergrenzübergang ...
(Zugkreuzungen) ... die fahren auf der Strecke nicht im Takt. Und so gab und gibt es Kreuzungen der deutschen Züge in Krzewina Zgorzelecka, im letzten Fahrplan nur Mo-Fr, nun sogar täglich: 7.00, 8.11, 17.57.
Es wird wohl nur vermieden, dass sich die deutschen und die polnischen Züge kreuzen. Obwohl, manchmal ist man dicht dran: 7.01 fährt ein Zug nach Görlitz, 7.15 kommt ein polnischer Zug aus Norden. Die müssten sich fast in Reczyn treffen ...

Holger Paulsen schrieb dazu:
: "Nur für Reisende von/nach Deutschland"
Ich kann mich an so einen Vermerk in einem DR-Kursbuch erinnern.
Im aktuellem Kursbuch wird lediglich darauf hingewiesen, dass es ein PKP-Bahnhof ist. ...
Das Umfeld des Bahnhofes ist sehr übersichtlich; wenn ein Reisender aus einem deutschen Zug in östlicher Richtung davonschreitet, dann wird er - vermute ich - recht bald von einem Vertreter des polnischen Staates freundlich auf seine Absichten angesprochen werden.
Ich bin dort einmal durchgefahren: wenn ich mich recht erinnere, steht am Bahnhof ein kleiner Container, wo der Zoll drin sitzt. Ob nur der polnische oder ob der deutsche mit dabei ist, weiss ich nicht. ...

Nach Thomas Randig:
Abgesperrt ist und war dort nichts. Zu DDR-Zeiten standen immer, wenn DR-Züge kamen, polnische Grenzer mit MPi am Bahnhof und paßten auf, daß sich keiner der Reisenden ins polnische Hinterland verflüchtigte. Man hatte brav über die Brücke über die Neiße nach Ostritz zu gehen. Dort kontrollierte ein DDR-Grenzer anhand des Personalausweises, ob man überhaupt in die DDR gehört. Heute existiert an der Brücke in Ostritz ein offizieller Fußgängergrenzübergang.
Polnische Züge hielten und halten dort, früher sogar ein D-Zug Bogatynia-Warschau, heute nur noch 2 Personenzugpaare.

Nun noch ein Nachtrag von 1999 (leicht editiert):


From: Michael Kramer 
Newsgroups: de.etc.bahn.eisenbahn
Subject: Zugabfertigung Krzewina Zgorzelecka war: Szczecin-Gumience
Date: Tue, 08 Jun 1999 00:25:46 +0200

Kai-Uwe Thiessenhusen schrieb:

(schnipp)

Dürfte wohl einmalig sein, daß deutsches Personal in Polen Züge selbst
abfertigt; selbst in Krzewina Zgorzelecka macht das die PKP-Aufsicht.

(schnapp)

Hallo Kai-Uwe,

benutzte vergangenen Mittwoch, 2. Juni 1999, die RB 17753 (Görlitz -
Zittau / Löbau als RB 17866) ab Krzewina Zgorzelecka.

Die Zugabfertigung fand dergestalt statt, daß das rotbemützte
PKP-Aufsichterlein sich wohlwollenden Blickes (aber hinter dem Rücken
quergehaltenen Befehlsstabes) ex seines Dienstaufsichtstürrahmens der
Dienstbarkeit der (hübschen) weiblichen DB-KiN auf Gleis 2 versicherte.
Die eigentliche Zugabfertigung (Zp9 nebst Pfiff) geschah dann allerdings
ohne weiteres bilaterales Zutuen des polnischen Kollegen.

...

Seit dem 03. 04. 2000 wird die Strecke Zgorzelec/Mikulowa - Krzewina Zgorzelecka - Bogatynia von den PKP nicht mehr im Personenverkehr bedient. Auswirkungen auf die Abfertigung von Zügen der DB sind noch nicht bekannt. (2000-04-18)


Inhalt +++ Strecke +++ Bahnhof Krzewina +++ Neißebrücken +++ Kilometerwechsel +++ Rosenthaler Zipfel +++ ,,Geisterzüge'' +++ Geschichte +++ Werkbahn Hagenwerder +++ PKP-Fahrpläne +++ Fahrtbericht 1970 +++ Dreiländernotizen 1997 +++ Erinnerungen +++ http://www.neissetalbahn.de