Die Werkbahn Hagenwerder
Von Hagenwerder führte eine elektrifizierte Werkbahn zum
Braunkohlentagebau. Till Kinstler hatte gerade zum Jahreswechsel
1997/98, als die Kohletransporte eingestellt wurden, der Gegend
einen Besuch abgestattet.
From: kailudwig@aol.com (KaiLudwig)
Newsgroups: de.etc.bahn.eisenbahn
Subject: Re: Reisebericht Saarlouis <-> Sachsen
Date: 4 Jan 1998 22:28:20 GMT
Message-ID: <19980104222800.RAA14489@ladder01.news.aol.com>
References: <34AEC528.6A8DF61E@phil.uni-sb.de>
Till Kinstler schrieb:
>In Hagenwerder hat eine
>elektrifizierte "Werksbahn" des Braunkohletagebaus Anschluss an die
>Strecke. Ich habe leider keine Lokomotiven der Braunkohlebahn sehen
>koennen.
Recht urige Viecher sind das. Nicht etwa 15 kV 16 2/3 Hz, sondern Gleichstrom
mit 1,2 oder 2,4 kV.
>Wer weiss mehr ueber diese "Werksbahn"?
Dieses ist ein Inselbetrieb zur Bekohlung des Kraftwerks, ohne Anschluß an das
Kohlenetz im früheren politischen Bezirk Cottbus.
>Gibt's da noch Betrieb?
Das Kraftwerk wurde vor einer Woche stillgelegt, somit hat sich das jetzt
erledigt.
>Das muesste sich doch auch positiv auf den Gueterverkehr zwischen
>Hagenwerder und Goerlitz auswirken...
Es verkehrten (die Nachtstunden ausgenommen) etwa alle zwei Stunden Bunkerzüge
von Boxberg - Uhyst - Niesky - Abzw Särichen - Abzw Mückenhain - Charlottenhof
- Görlitz und natürlich wieder leer zurück, dabei die Vollbunker zumindest
teilweise mit Schlz 219 (Zuglok waren natürlich 232, was sonst).
Das war recht interessant, denn sowohl die Strecke Horka - Hoyerswerda wie auch
Cottbus - Görlitz wurden nach dem Krieg ihres zweiten Gleises beraubt und
erhielten es bis heute nicht zurück. Auf erstgenannter Strecke verkehren auch
zahlreiche Güterzüge von/nach Wegliniec, und die Unterwegsbahnhöfe sind kleine
Klitschen, wo nur jeweils ein Zug deponiert werden kann. Mit Charlottenhof und
Görlitz sieht's nicht besser aus. Man kann sich wohl unschwer vorstellen, welch
ein Gewürge das war.
>Nach ueberqueren der Neisse nach
>Polen bin ich ueberrascht, dass von Norden eine Strecke auf polnischer
>Seite der Neisse in die KBS 231 einmuendet.
Überrascht. Aha. Scheint wohl zu stimmen, daß Usenet-Diskussionen innerhalb 3
Monaten restlos dem Vergessen anheimfallen.
>Ebenso faedelt vor der
>endgueltigen Rueckkehr der KBS 231 auf deutsches Territorium vor
>Hirschfelde wieder eine Strecke aus und verlaeuft weiter in suedlicher
>Richtung auf dem polnischen Neisse-Ufer. Ich gehe mal davon aus, dass es
>sich hierbei um die polnische Strecke von Mikulowa nach Bogatyna
>handelt, oder?
*BONG*
>Auf der "Offiziellen Streckenkarte der Deutschen Bahnen
>1:750000" von 1991/92 sieht es so aus, als ob die KBS 231 und die
>polnische Strecke in ein paar Kilomter Entfernung parallel verlaufen und
>es keine Verbindung zwischen den beiden Strecken gibt.
Völlig falsch. Es gibt überhaupt keine durchgehende deutsche Strecke, die
gesamte Betriebslänge auf polnischem Staatsgebiet gehört der PKP, wobei die DDR
lediglich mit besonderen Rechten ("Privilegierter Durchgangsverkehr")
ausgestattet wurde, hier auch Reisezüge ihres Binnenverkehrs zu fahren, und
zwar - das ist der ganz spezielle Clou - mit Verkehrshalt in Krzewina
Zgorzelecka für Reisende von/nach Ostritz.
>In der Karte im
>Kursbuch sind die beiden Strecken jedoch auf dem polnischen Neisseufer
>gemeinsam als eine Strecke dargestellt (wie es in der Praxis auch
>ist)...
Eine Ungenauigkeit weist auch sie auf: Von Mikulowa aus fahren die Reisezüge
zunächst bis Zawidow (wo es nach Cernousy weitergeht, aber nur mit Güterzügen),
dort wurde die Strecke nach Reczyn am Nordkopf wieder herausgeführt. Reisezüge
müssen also Kopf machen, man könnte von einer unechten Spitzkehre sprechen (es
gibt dort auch eine Verbindungskurve von Reczyn nach Mikulowa, aber die wird
wiederum nur von Güterzügen befahren).
So, die neue Runde ist damit also eröffnet. Wir waren zuletzt da
stehengeblieben, daß jemand versuchen wollte, in alten Gesetzblättern den
Staatsvertrag über den Privilegierten Durchgangsverkehr aufzustöbern.
-kl
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Date: 04 Jan 1998 21:53:00 +0100
From: lerchner@alouette.in-chemnitz.de (Joerg Lerchner)
Newsgroups: de.etc.bahn.eisenbahn
Message-ID: <6lFXcpZVeYB@alouette.in-chemnitz.de>
References: <34AEC528.6A8DF61E@phil.uni-sb.de>
Subject: Re: Reisebericht Saarlouis <-> Sachsen
Hallo,
Till Kinstler meinte am 04.01.98 im "Reisebericht Saarlouis <-> Sachsen":
> In Hagenwerder hat eine
> elektrifizierte "Werksbahn" des Braunkohletagebaus Anschluss an die
> Strecke. Ich habe leider keine Lokomotiven der Braunkohlebahn sehen
> koennen. Wer weiss mehr ueber diese "Werksbahn"? Gibt's da noch Betrieb?
Ich glaube es nicht. Am 30. oder 31.12.97 wurde ein Braunkohlentagebau
bei Hagenwerder geschlossen, die letzte Kohle einige Stunden später im
nahegelegenen Kraftwerk verheizt. Ich vermute, daß Du diese Werkbahn
gesehen hast.
Die Stillegung war übrigens ein schon mehrere Jahre vorbereitetes Unter-
nehmen, da die Kohle für die Brikettproduktion nicht geeignet war und
einen hohen Ascheanteil aufwies.
Korrigiert mich bitte, wenn ich einen Zeitungsartikel der Lokalpresse
mißverstanden habe.
Jörg
Inhalt +++
Strecke +++
Bahnhof Krzewina +++
Neißebrücken +++
Kilometerwechsel +++
Rosenthaler Zipfel +++
,,Geisterzüge'' +++
Geschichte +++
Werkbahn Hagenwerder +++
PKP-Fahrpläne +++
Fahrtbericht 1970 +++
Dreiländernotizen 1997 +++
Ergänzungen +++
Erinnerungen +++
http://www.neissetalbahn.de