Zur Geschichte der Strecke Zittau - Görlitz

Aus Beiträgen von Kai-Uwe Thiessenhusen und Kai Ludwig zusammengestellt.

1934 gab es folgende Stationen:

0.0  Zittau
7.1  Hirschfelde
8.9  Rohnau [muss heute Trzinec sein. Kein Personenzughalt]
10.0 Rosenthal [dicht]  
15.0 Marienthal (Sachs) [Bratkow]
17.2 Ostritz [Krzweina Zgorzelecka]
23.6 Nikrisch [Hagenwerder]
27.0 Deutsch Ossig [vor wenigen Jahren geschlossen, Dorf wg. Kohleabbau
 geraeumt]
30.2 Posottendorf-Leschwitz [Görlitz-Weinhübel]
33.0 Görlitz
Hinsichtlich der Ortsnamen wird es besonders interessant: Nikrisch und Posottendorf-Leschwitz wurden germanisiert; Rohnau, Marienthal und bedingt Ostritz polonisiert, und das im Abstand von höchstens einem Jahrzehnt. Die *Orte*, die den Stationen Ostritz und Marienthal den Namen gaben, liegen nach wie vor auf der deutschen Seite.

Der ehemalige Hp Rohnau liegt direkt in Höhe Blocksignal A von Trzciniec. Die Bahnsteigreste sind noch zu erkennen.
Zwischen Hp Bratkow und dem ehemaligen Haltepunkt Marienthal besteht eine Differenz von 525 Metern in der Kilometrierung. Zwar sieht das Empfangsgebäde von Bratkow nicht nach einem Nachkriegsbau aus, aber es mag vor dem Krieg anderen Zwecken gedient haben. Manche Lokführer behaupten, es habe den Hp Marienthal und den Hp Blumberg (Bratkow) gegeben.

Als neue Station kam Drausendorf hinzu.

Wegen Kohleabbaus wurde der Ort Deutsch Ossig gerämt und die Bahnstation geschlossen. Auch die Strecke war betroffen und mußte verschwenkt werden, dadurch ist sie 600 m länger geworden.

Es gibt also genau eine Zwischenstation die heute noch unter dem gleichen Namen an der gleichen Stelle zu finden ist wie 1934.

Vergleicht man diese Kilometerangaben mit den von Thomas Randig genannten, so liegt
- Rohnau einige 100m noerdlich des heutigen Abzweig Trziniec (den es damals nicht gab)
- Rosenthal in der Tat genau in diesen 260m-Zipfel drin (was stehen eigentlich da fuer km Angaben?)
- Marienthal 550m suedlich des heutigen Hp. Bratkow (kann eigentlich nicht sein, das Empfangsgebaeude sieht aelter aus).
- Bei Ostritz/Kr. Z. stimmt beides wieder ueberein.

Das DDR-Kursbuch Sommer 1956 weist Krzewina Zgorzelecka als normalen Halt (die meisten Zuege halten nur 1-2 Min, es gibt aber je Richtung einen mit ner Standzeit von ca. 10 Min.) aus. Die Strecke Hagenwerder - Hirschfelde ist mit "Poln Staatsb" gekennzeichnet. Insgesamt gabs damals fuenf durchgehende Reisezugpaare Goerlitz-Zittau, dazu zwei weitere Goerlitz - Hagenwerder und zahlreiche Zugpaare Hirschfelde - Zittau.


Kai Ludwig schrieb:
Diese ganze Strecke ist ggf. erst später an die PKP gegangen, also nicht gleich '45, sondern als diese Bogatynia anbinden wollte und dazu die Strecke von Zawidow bis Abzw Reczyn nebst dem Stummel von Abzw Trciniec nach Bogatynia baute. Das dürfte Verträge erforderlich gemacht haben. Und wer weiß, was in denen steht?

Torsten Jerzembeck vermutet dazu:
Nur so eine Idee: Könnte es sein, daß diese Verträge (weil Staats- verträge) im DDR-Gesetzblatt veröffentlicht worden sind? Dann müßte man sie (mit entsprechender Geduld) in jeder einigermaßen sortierten Uni- Bibliothek oder zumindest in der Seminarbibliothek der juristischen Fakultät einer Uni in den neuen Ländern ausgraben können.
Ich kann bei Gelegenheit mal nachschauen, ob die Uni Münster das DDR-Gesetzblatt geführt hat, kann aber für nichts garantieren (besonders dann nicht, wenn das ganze schon sehr lange zurückliegt - neuere Ausgaben des DDR-Gesetzblattes sind wahrscheinlich schon vorhanden, aber ob das auch für die 50er Jahre gilt?)


Olaf Herrig (olaf@ole.in-berlin.de) schrieb:
Ich hab eine Karte aus den 60ern gefunden, da sind die Strecken von Görlitz bis Hagenwerder und von Zittau nach Hirschfelde als Stichstrecken eingezeichnet. Das deutet darauf hin, daß die Strecke doch gleich 1945 an die PKP ging oder jahrelang garnicht benutzt wurde und erst später der Lückenschluß wieder vollzogen wurde.

Dazu Thomas Randig:
Da duerfte die Karte nicht stimmen. 1952/53 fuhren mit absoluter Sicherheit Züge von Zittau nach Görlitz bzw. retour. Der Zweig Trcziniec - Bogatynia existierte noch nicht. Die Züge wurden viel von Polen benutzt, die in Krzewina zustiegen und in Höhe Rohnau (Trcziniec) einfach absprangen. Um dies zu unterbinden, schlossen die Schaffner einfach die Türen zu. Wer in Ostritz aus- oder zusteigen wollte, hatte sich erster Wagen erste Tür einzufinden!


Inhalt +++ Strecke +++ Bahnhof Krzewina +++ Neißebrücken +++ Kilometerwechsel +++ Rosenthaler Zipfel +++ ,,Geisterzüge'' +++ Geschichte +++ Werkbahn Hagenwerder +++ PKP-Fahrpläne +++ Fahrtbericht 1970 +++ Dreiländernotizen 1997 +++ Ergänzungen +++ Erinnerungen +++ http://www.neissetalbahn.de