Newsgroups: de.alt.eisenbahn Subject: Bahnstrecke Celle - Braunschweig Date: Sun, 31 Mar 97 13:16:00 GMT From: BG@BROESEL.PROMETHEUS.DE Hallo *.*, ich bin neulich mit dem SWT nach Celle gefahren und wollte mir von dort aus per Fahrrad die Strecke nach Braunschweig (exKBS 211a) anschauen. Da ich nicht so oft in der Gegend dort bin, wusste ich auch nicht genau, wie es da wohl aussehen wuerde. Mir war jedoch vollkommen klar, dass die Strecke nicht mehr in voller Laenge vorhanden sein wuerde. Das was ich dort vorgefunden habe, hat aber leider meine schlimmsten Erwartungen uebertroffen. Hier ein kleiner Situationsbericht: Von Celle ausgehend in Richtung Sueden liegt das Gleis nur noch bis zu einem Gewerbegebiet am Rande von Celle (ca. 1 km). Dort sind noch mehrere Gleisanschluesse vorhanden, die aber offenbar wohl nicht mehr bedient werden (?). Am Gleis waren jedenfalls keine Spuren zu erkennen, die auf einen Fahrbetrieb schliessen lassen. Das Streckengleis ist hier an einem Prellbock zu Ende. Die weitere Trasse bis zum ehemaligen Uebergang an der B3 ist mit einem Kaufhaus ueberbaut worden (Trassenschutz - was ist das?). Ab hier wird Trasse bis zum Bf Nienhagen wird als Radweg genutzt. Seltsamerweise gilt dieser Radweg als "Privatweg - Benutzen auf eigene Gefahr". Das wird durch mehrere Schilder deutlich gemacht. Was hat das zu bedeuten? Befindet sich die Trasse etwa noch im Besitz der DB AG? Irgendjemand muss doch den Radweg angelegt haben. Wenn Kreis oder Gemeinden das Stueck gekauft haetten, waere es normalerweise kein Privatweg, sondern ein oeffentlicher Radweg. Oder ist der Radweg entstanden, ohne dass die Trasse den Besitzer gewechselt hat? Wer weiss genaueres dazu? Der Bahnhof Nienhagen ist an Privat verkauft, die ehemaligen Bahnsteig- und Verladerampen sind jedoch noch vorhanden (allerdings total zugewachsen und natuerlich ohne Gleise). Vor nicht allzulanger Zeit muss bis hierhin noch das Gleis gelegen haben. In meinem Atlas von 1993/94 ist es bis Nienhagen noch eingezeichnet. Im Anschluss verlaeuft der Radweg noch ca. 800 Meter und ist dann zu Ende. Die weitere Trasse bis Wathlingen ist zwar noch vorhanden, allerdings handelt es sich hierbei um einen ziehmlich wilden Urwald. Es wurden dort sogar schon einige Wasserstellen fuer Tiere angelegt. In Wathlingen ist das ehemalige Bahnhofsgebaeude optisch wieder sehr schoen zurecht gemacht worden. Der Bf liegt sehr zentral in Ortsmitte. Die ehemaligen Gleisflaechen wurden in einen Park umgewandelt. Damit die Leute die Eisenbahn nicht ganz vergessen, hat man hier ca. 1 Meter Gleis liegengelassen und ein altes Formsignal aufgestellt. Im weiteren Verlauf der Strecke von Wathlingen ueber Broeckel nach Uetze ist der gesamte Bahndamm abgetragen worden. Es sind hier keinerlei Hinweise mehr zu entdecken, wie der Trassenverlauf gewesen ist. Man hat sich wirklich viel Muehe gegeben, die Bahnstrecke verschwinden zu lassen. Die Flaechen sind allesamt an die Landwirtschaft verkauft worden und dienen nun als Ackerflaeche. Soweit ich weiss war das Streckenstueck Wathlingen-Broeckel-Uetze auch das erste Teilstueck, das damals abgebaut worden ist. Einzig in Broeckel ist noch der Bahnhof vorhanden. Hier muss offenbar ein begeisterter Eisenbahnfan drin wohnen, direkt vor der Tuer stehen zwei rote Schienenbusse (VT98 ... wie die da wohl ohne Schienen hingekommen sind ...). Auch sonst sind dort noch diverse Utensilien (Schranken, ect.) zu sehen (Aber bitte nicht besuchen, ist ein Privatgrundstueck). Ansonsten ist aber fast nichts mehr von der weiteren Trasse bis Uetze zu erkennen. Der Bf in Uetze liegt am nordoestlichen Rand der Ortschaft. Auch hier scheint ein Eisenbahnfan eingezogen zu sein (mit 3yg-Bauzugwagen im Garten). Ab dem Bf Uetze ist die Bahntrasse in Richtung Sueden wieder komplett vorhanden, allerdings ohne Schotter und Gleise. Ortsfremde Personen koennten auf den Gedanken kommen, dieses Streckenstueck zum Spazierengehen zu benutzen, da es gewisse Aehnlichkeiten mit einem Feldweg hat. Dies ist jedoch sehr gefaehrlich! Es wurden hier zwar die Gleise abgebaut, allerdings hat man es versaeumt, die alten Bruecken zu sichern. Der Fluss "Fuhse" sowie einige Feldwege werden mehrmals von der Bahnstrecke gekreuzt. Auch auf den Bruecken liegen keine Gleise mehr, sondern nur noch ein paar lockere Blechabdeckungen. Das Betreten dieser Bruecken ist lebensgefaehrlich, weil nichts verschraubt oder irgendwie gesichert ist. Der Bahndamm ist hier uebrigens sehr hoch. Ich moechte nicht wissen, was los ist, wenn da mal einer von der Bruecke stuerzt. Die abgebaute Bahntrasse scheint in diesem Bereich wohl noch der DB AG zu gehoeren. An einer der Bruecken habe ich uebrigens ein kleines Schlid gefunden, mit den merkwuerdigen Scan-Codes, die die Bahn wohl offenbar fuer die Inventur ihres Anlagevermoegens verwendet (wurde hier im Forum schon mehrfach diskutiert). Der Abriss der Gleise zwischen Uetze und Eltze kann auch noch nicht so lange her sein, wenn man sich den Zustand der Trasse einmal ansieht. In Elze sieht man z.B. noch genau, wo einmal welche Gleise gelegen haben, ein alter Gueterschuppen ist an der Ladestrasse auch noch vorhanden (allerdings total heruntergekommen). Das Bahnhofsgebaude in Eltze ist zusammen mit einem kurzen Stueck der Trasse an privat verkauft worden. Ich schaetze mal, dass sich fuer den Rest der Trasse bei Elze kaum ein Kaeufer finden wird. Zum einen weil der Damm dort wirklich sehr hoch ist und zum anderen wegen der vielen, ungesicherten Bruecken. Selbst eine Umwandlung in einen Radweg wuerde wahrscheinlich so teuer kommen, dass es sich nicht lohnen wuerde. Suedlich von Eltze, bei der Ortschaft Plockhorst ueberquert die ehemalige Bahnstrecke Celle-Braunschweig die Hauptbahn von Hannover nach Stendal / Berlin. Hier hat es einmal eine Bruecke ueber die Hauptbahn gegeben. Der hohe Bahndamm diente gleichzeitig als Rampenbauwerk fuer die Bruecke. Die Fundamente sind auch noch vorhanden, allerdings fehlt das eigentliche Mittelteil. Einen Bahnhof Plockhorst hat es hier gleich zweimal gegeben, zum einen unten an der Strecke nach Hannover und zum anderen oben an der ehemaligen Strecke Celle-Braunschweig. Dort oben, auf der sudlichen Brueckenrampe sind noch die Fundamente von ehemaligen Gebaeuden der Bahn zu erkennen. Es sieht dort aus, als wenn da eine Bombe eingeschlagen hat. Erst einmal die traurigen Ueberreste vom Brueckenfundament und dann noch die total zugewachsenen und zerfallenen Reste vom Bahnsteig (soweit dieser noch als solcher erkennbar ist). Die Gleise Richtung Braunschweig sind auch hier bereits verschwunden. Innerhalb der Ortschaft Plockhorst ist zudem der breite Bahndamm fuer die Querung eines Fussweges in zwei Stüecke zerteilt worden. Es geht dort sehr steil hinunter. Da der Sand am Einschnitt noch nicht bewachsen war, muss dieser Eingriff wohl erst vor kurzem geschehen sein. Die weitere Strecke von Plockhorst nach Braunscheig konnte ich nicht mehr besichtigen, weil es schon spaet geworden war und ich langsam die Rueckreise antreten musste (immerhin wohne ich in Schleswig-Holstein). Ich bin dann anschliessend nach Dedenhausen gefahren und hab mich und mein Fahrrad dort in den naechsten StadtExpress gepackt. In Dedenhausen ist uebrigens kein einziger Fahrplanaushang vorhanden .... 8-E Vielleicht kann ja mal jemand von Euch erzaehlen, wie der Rest der Strecke von Plockhorst nach Braunschweig aussieht. Irgendwo sollen da auch wieder Gleise auftauchen. Ausserdem wuerden mich folgende Fragen interessieren: 1. Wann genau wurden welche Teilstuecke der Strecke Celle-Braunschweig abgebaut? 2. Wann wurde der PV eingestellt? 3. Was fuer Gueter wurden wo verladen? Hatte die OHE kein Interesse, den Gueterverkehr zu uebernehmen? 4. Wann wurde die Bruecke in Plockhorst abgebaut und warum? Hatte zu diesem Zeitpunkt noch GV von Braunschweig nach Uetze stattgefunden oder wurde der GV bereits vorher eingestellt? 5. In Plockhorst zweigt oben vom Damm der Bruecke unmittelbar vor der Ueberquerung ein Bahndamm in Richtung Hannover ab. War dies frueher eine Verbindungskurve zur Hauptbahn oder nur ein privates Anschlußgleis? (Nein, ich meine nicht die Zweigstrecke nach Peine). 6. Wie ist das mit dem "Privatweg" zu verstehen (siehe oben)? Es ist wirklich bedauerlich, dass sich die Politik damals noch nicht einmal um einen Trassenschutz fuer diese Strecke bemueht hat. Celle ist immerhin eine zentrale Kreisstadt und Braunschweig ist doch wohl auch kein Dorf. Es waeren sogar durchgehende Zuege von Braunschweig ueber Celle nach Lueneburg und Hamburg denkbar. Aber dazu wird es wohl nicht mehr kommen, da die Strecke in Teilbereichen komplett neu trassiert werden muesste. Wie gesagt, falls jemand den Rest der Strecke kennt, waere es toll, hier einmal eine Beschreibung abzugeben. Bis dann Bjoern Graas ---------------------------------------------------------------------------- From: mfelse@aol.com Newsgroups: de.alt.eisenbahn Subject: Re: Bahnstrecke Celle - Braunschweig Date: 1 Apr 1997 19:37:47 GMT Im Artikel <6TtvJVYb85B@bg.broesel.prometheus.de>, BG@BROESEL.PROMETHEUS.DE schreibt: >Vielleicht kann ja mal jemand von Euch erzaehlen, wie der Rest der Strecke >von Plockhorst nach Braunschweig aussieht. Irgendwo sollen da auch wieder >Gleise auftauchen. > Der aktuelle Stand ist mir nicht bekannt. Aber vor 3-4 Jahren hat es Sonderfahrten bis Wendeburg (Wendezelle) mit der braunschweiger Museumslok T9 gegeben und Gleis lag damals noch bis Harvesse. Die Strecke wurde noch erhalten, weil es einen Gashandel gibt, der sie genutzt hat. Jetzt wahrscheinlich nicht mehr, da wohl die Betriebsgenehmigung fuer die Gasabfuellanlage abgelaufen ist. Vor ein oder zwei Jahren stand folgendes zur Diskussion: Zwischen Wendezelle und Harvesse fuehr die A1 ueber das Gleis. Diese Autobahn wird zur Zeit massiv ausgebaut (verbreitert) und ein zu errichtendes Brueckenbauwerk kostet Geld, welches man sparen will. Vielleicht endet das Gleis jetzt schon in Wendezelle? Die moeglichen Perspektiven zwischen Braunschweig und Wendezelle sind folgende: 1. Abbau 2. In der Naehe von Watenbuettel gibt es eine Muellhalde, deren Inhalt haeppchenweise in der Naehe von Buschhaus (Helmstedt) verbrannt werden soll. Der Transport koennte mit der Bahn stattfinden. 3. Die Braunschweiger Verkehrs-AG hat einmal Interesse an der Strecke zur Nutzung fuer die Stadtbahn bekundet. Diese Moeglichkeit halte ich aber fuer sehr unwahrscheinlich, da in Braunschweig nur ueber solche Projekte geredet, aber nicht gehandelt wird (Starke Autolobby: VW; ADAC-Vice-Gauleiter im Stadtrat...). Im Sommer '92 habe ich auch mal eine solche Radtour gemacht. Mir sind dabei die aussergewoehnlich maechtigen Bahnhofsgebaeude mit dem spitzen Dach aufgefallen, die fast alle nach den gleichen Grundriss gebaut worden sind. In Plockhorst gab es damals noch Gleise. Auf dem Damm bei der Bruecke standen ein Bagger und ein Radlader (wohl zum Entfernen der Gleise). Die beiden Baumaschinen sahen aber sehr mitgenommen aus: 1. total verrostet (muessen also schon laenger dort gestanden haben) 2. die Scheiben waren zerschlagen. berichtet Marcus ---------------------------------------------------------------------------- From: dicom256@aol.com Newsgroups: de.alt.eisenbahn Subject: Bahnstrecke Celle - Braunschweig Date: 3 Apr 1997 19:55:27 GMT Im Artikel <6TtvJVYb85B@bg.broesel.prometheus.de>, BG@BROESEL.PROMETHEUS.DE schreibt: >3. Was fuer Gueter wurden wo verladen? Uetze (Han): '92: 4 Weichen, langes Ladegleis, Kopframpe: hauptsächlich landwirtschaftliche Güter inkl. Zuckerrüben; Eltze (Kr Peine): beidseitig angebundenes Ladegleis, Güter: ???; Plockhorst ob Bf: s. u.; Wipshausen: beidseitig angebundenes Ladegleis, von beiden Seiten mit Straßenfzg. zu erreichen, landw. Güter; Wense: Ladegleis mit einer Weiche, Güter: ???; Harvesse: bis hierhin wurde '92 noch gefahren, beidseitig angebundenes Ladegleis, scheinbar keine landw. Güter; Wendezelle: 3 Weichen (beidseitig angebundenes Ladegleis plus Stumpfgleis, '92 vorhanden: ein Gbs an der Ladestraße und zwei vierachsige Flüssiggas-Kesselwagen im Stumpfgleis zur Entladung; Watenbüttel: 1 Weiche, Ladegleis, auf der Ladestraße befindet sich ein Schrotthändler o. ä., der das Gleis aber nicht nutzte. >5. In Plockhorst zweigt oben vom Damm der Bruecke unmittelbar vor der >Ueberquerung ein Bahndamm in Richtung Hannover ab. War dies frueher eine >Verbindungskurve zur Hauptbahn oder nur ein privates Anschlußgleis? (Nein, >ich meine nicht die Zweigstrecke nach Peine). Als ich Plockhorst ob Bf (so der off. Name) '92 "bereiste" gab es noch ein beidseitig angebundenes Gleis neben dem Hauptgleis, dann nach ca. 20 m eine Linksweiche ohne weiteres Gleis (in Ri Uetze gesehen). Dieses Gleis war das Überführungsgl nach "unten". Ich nehme mal an, daß es früher auch einen unteren Bf gegeben hat. In meinen Unterlagen von '86 war Plockhorst an der Hannoverschen Strecke auch nur noch ein Hp, während der obere immerhin noch ein unbesetzter bf war. Außerdem ist die Rede von einem Überführungsgl zum Bf Dedenhausen. Auch beim Bf Dedenhausen findet sich ein Überführungl zum Bf Plockhorst ob Bf. Ob das aber als drittes Gleis bis Dedenhausen lief, weiß ich nicht. Der frühere Zustand/Gleisplan des oberen Bf würde mich auch interessieren. Vielleicht war das ein reiner Betriebsbf ohne Ladegleis u. ä. Sein Zustand anno '92 war jedenfalls sehr merkwürdig mit diesem einen zusätzlichem Gleis. Das war ja ohne die Überführung nach unten zu nichts mehr gut und damit praktisch ein Umfahrgleis auf freier Strecke. Meine Unterlagen von '92 besagen, daß die Strecke dann von BS nur noch bis Harvesse befahren wurde. Liegt die Strecke überhaupt noch? >Wie gesagt, falls jemand den Rest der Strecke kennt, waere es toll, hier >einmal eine Beschreibung abzugeben. Bei meinem Besuch '92 war Celle - Nienhagen gerade abgebaut worden :-( > Es ist wirklich bedauerlich, dass sich die Politik damals noch nicht > einmal um einen Trassenschutz fuer diese Strecke bemueht hat. Das ist ja nun aber ein grundsätzliches Problem, was nicht nur diese Bahn betrifft, sondern auch Celle - Müden-Dieckhorst (erst kürzlich abgebaut) und Celle - Wietzenbruch (-Schwarmstedt). === Martin Dietrich - DICOM === DICOM256@aol.com dicom@vossnet.de martin_dietrich@hb2.maus.de ------------------------------------------------------------------------------- Gut zweieinhalb Jahre spaeter stolperte Ralf Piening ueber diese Seite und wartete mit Antworten auf einige der anfangs gestellten Fragen auf: From: Ralf.Piening@celle.de Subject: Bahnstrecke Celle-Braunschweig Date: Mon, 13 Dec 1999 15:57:02 +0100 1. Die Strecke Celle-Braunschweig wurde in folgenden Teilabschnitten abgebaut: 1976 Wathlingen- Uetze, 1986 Nienhagen- Wathlingen, 1991 Gewerbegebiet Westercelle- Nienhagen, ca. 1996 Uetze- Harvesse 2. Der PV wurde im Raum Celle wie folgt eingestellt: 1962 Braunschweig - Plockhorst, 1966 Celle - Schwarmstedt - Verden (Aller), 1970 Hermannsburg - Munster, 1971 Celle - Plockhorst, 1974 Bergen - Soltau und Wittingen - Steinhorst, 1976 Celle - Hermannsburg - Bergen und Celle - Steinhorst, 1981 Celle - Gifhorn 4. Die Bruecke in Plockhorst wurde beim Bau der Schnellstrecke Hannover- Berlin abgebaut, da sie zu niedrig fuer einen elektr. Zugbetrieb war. 6. Unter dem privaten Radweg liegt eine Gasleitung der Stadtwerke Celle. Das Gelaende gehoert diesen.