StationenVelgast, Heide, Hövet,Neuseehagenn, Weitenhagen, Behrenwalde, Bärenhof, Koitenhagen, Ravenhorst, Forkenbeck, Semlow, Stormsdorf, Kavelsdorf, Tribsees Landstr., Tribsees Steintor, Tribsees
Ende des letzten Jahrhunderts wurde die kleine Stadt Tribsees in Vorpommern zu einem Nebenbahnknotenpunkt. Strecken in die nächstgelegenen größeren Städte Rostock (staatlich), Grimmen - Greifswald und nach Stralsund (privat) wurden eröffnet. Doch als erstes ging am 19.Mai 1895 eine andere Bahn Betrieb: die Strecke der Franzburgerr Südbahn nach Velgast. Der Verkehr auf dieser Strecke war immer mehr als bescheiden, größere Orte gibt es nicht. So fuhr z.B in den 30er Jahren gerade ein einziges Zugpaar, der Personenverkehr auf dem zweiten Ast der Südbahn (dem Abzweig Neuseehagen - Franzburg) ruhte ganz. Nur durch ein Wunder überlebte die Bahn so lange.
Nach dem Krieg fiel diese Bahn als einzige der von Tribsees ausgehenden Strecken nicht unter die Reparation an die Sowjetunion. Spätere Einstellungsversuche zu DDR-Zeiten blieben wegen der nicht ausgebauten Straßen in dieser Region erfolglos. So konnte bis 1995 hier Kleinbahnromatik erlebt werden, wie wohl sonst fast nirgends mehr in Deutschland.
Die Gleise waren selbst zu den aktiven Zeiten mit Gras bewachsen, um jeden Hügel machten sie einen Bogen. Ein herrliches Naturschauspiel. Vor allem im Frühling und Herbst war die Fahrt durch die Buchenwäder ein Erlebnis. Immer wieder schön waren auch die Ausblicke ins breite Recknitz-Trebeltal zwischen Semlow und Tribsees und Tribsees selbst: eine Stadt, die kaum über ihre Mauern herausgewachsen ist (von der Bahn im Halbkreis umfahren).
Ein Kuriosum für sich waren die Stationen: Obwohl die Strecke durch eine dünnbesiedelte Gegend führte, lagen die Stationen fast im S-Bahn-Abstand zueinander. Außer in Tribsees, wo der "Haupt"bahnhof mitgenutzt wurde, gab es nirgends Bahnhofsgebäde. Ein kurzer Bahnsteig, gerade lang genug für einen Triebwagen, war das übliche. Wartehallen fast schon Luxus...
Wie gesagt, viel los war nie. Als ich einmal vor Jahren zum Ernteeinsatz in dieser Gegend war, wanderte ich ein Stück die Strecke entlang, und wartete auf dem zugewachsenen Bahnsteig in Bärenhof auf die Ferkeltaxe, die irgendwann (nirgends hingen Fahrpläne) kommen sollte. Als sie dann endlich kam, verlangte ich eine Fahrkarte nach Forkenbeck. Dem Schaffner blieb der Mund offen stehen: "Da ist doch schon seit Jahren keiner mehr ausgestiegen!" Und das war noch zu DDR-Zeiten! In der Tat war der Bahnsteig nur durch dichtes Gebüsch zu erreichen. 1993 wurden zur Rationalisierung zwei Haltepunkte geschlossen, Forkenbeck war nicht darunter. Doch das half der Bahn nicht mehr...
Das Ende, lange schon abzusehen, kam 1995. Ihren hundersten Geburtstag konnte die Strecke noch erleben, dann war am 27. Mai Ende. Das letzte Mal fuhr 771 059 auf dieser wunderschönen Bahn. Die Hoffnung, noch eine Nutzung für die Bahnlinie zu finden (bei Tribsees sollte eine Mülldeponie gebaut werden) zerschlug sich auch.